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Okt 03

Fototechnik Focus-Stacking

Was ist denn nun wieder “Focus Stacking“, fragt sich der interessierte Leser.

Ich will mich heute mal dieser Technik widmen, da ich sie vor ein paar Wochen bei diesem Foto angewandt habe.

Um es kurz zu machen, geht es darum ein Foto von Vordergrund bis Hintergrund scharf zu bekommen, wo dies sonst rein optisch mit dem Objektiv nicht möglich wäre.

Hier zum Beispiel bei den Himbeeren. Jeder kennt die kleinen süßen Früchte. Sie sind .. klein. Um sie formatfüllend auf’s Foto zu bekommen muss man ziemlich nah heran. Oder mit einer langen Linse von weit weg herangezoomt fotografieren. In dem von mir gewählten Table Top Setup, fotografiere ich meistens mit meinem einfachen und preiswerten 50 mm 1:1,8 Objektiv. Grund: es ist eine Festbrennweite und bringt die bestmögliche optische Qualität für ein scharfes Foto ohne farbliche Beeinträchtigungen, wie sie eventuell bei Zoom Objektiven auftreten können.

Bei diesem Foto jedoch stand mir die Naheinstellgrenze der 50mm Optik im Weg. Diese beschreibt schlicht, wie weit man vom Motiv entfernt sein muss, so daß sich noch fokussieren läßt.  In dem Fall waren die Himbeeren dann nicht mehr formatfüllend und nahmen vielleicht noch die Hälfte des Bildes ein.

Also wechselte ich zu meinem Zeiss Flektogon 2,8 / 35mm. Dieses hat eine unglaublich geringe Naheinstellgrenze und eignet sich daher zu Makroaufnahmen recht gut. Nun vergrößert sich noch das Problem, denn je näher man mit dem Objektiv ans Motiv rückt desto geringer wird die Tiefenschärfe bei der gewählten Blende. Ich habe hier sicherlich mit relativ geschlossener Blende um f16 gearbeitet, um das Meiste aus dem Objektiv heraus zu holen.

Dennoch waren nur die ersten beiden Himbeeren scharf, was auch bildgestalterisch so gewollt sein könnte, aber in dem Fall wollte ich alle Himbeeren in der Schale scharf abbilden.

Für ein komplett scharfes Bild musste ich mich von vorn nach hinten durcharbeiten und jeweils eine Ebene weiter hinten scharf stellen und ein Foto machen. So entstanden insgesamt 5 Aufnahmen.

Diese importiert man dann in Photoshop in einen Ebenenstapel. Dazu geht man in das Menü “Datei -> Skripten -> Dateien in Stapel laden”. Man sollte auch die Option “Quellbilder automatisch ausrichten” ankreuzen. Meine Fotos habe ich selbstverständlich alle vom Stativ aus gemacht, aber durch das Scharfstellen verändert sich immer der Bildausschnitt leicht.

Nun haben wir unsere Fotos alle in Ebenen übereinander in Photoshop. Diese müssen wir alle rechts im Ebenen-Fenster markieren. Dann gehen wir in das Menü “Bearbeiten -> Ebenen automatisch überblenden -> Bilder stapeln”. Hier sollte die Option “nahtlose Töne und Farben” ebenfalls angekreuzt sein. Und dann sind wir schon fertig, denn Photoshop macht den Rest.  Naaaaaaaaaaaa .. nicht ganz.

Sicherlich ist Photoshop eine große Hilfe und erzeugt oft Ergebenisse, mit denen man arbeiten kann, aber man muss oft noch händisch weiter bearbeiten. Dazu sollte man sich auch mit Masken auskennen. Also schon eher eine fortgeschrittene Photoshop Technik.

Photoshops Automatiken analysieren das Bild nach harten Kontrasten zwischen den Pixeln-Bereichen und finden so heraus wo das Foto scharf ist. Was aber nicht immer 100 prozentig funktioniert. Eher zu 90%.

Photoshop maskiert in den jeweiligen Einzelbilden die unscharfen Bereiche, Aus den sichtbaren scharfen Bereichen addiert sich das Gesamtbild, wie hier links dargestellt.

Ich hoffe, ich bin nicht zu technisch geworden, und dem einen oder anderen ist ein kleines Lichtlein aufgegangen.

 

3 Kommentare

  1. Silmas

    Mit einfach knipsen, ist es dann wohl vorbei.
    Somit wird die Fotografie ein wenig zur Malerei.
    Die Himbeeren sehen gut aus, wie ist die “rauhe” Oberflächentextur entstanden?

    1. zeroonevision

      Nun, ich knipse ja auch nicht einfach, sondern ich verfolge Fotografie schon mit einem gewissen Anspruch.
      Ich würde nicht sagen, daß Fotografie zur Malerei wird. Ein Foto ist ein Foto ist ein Foto ist ein Foto.
      Früher wurde in der Dunkelkammer nachbelichtet, abgedunkelt, geschärft, verändert, beschnitten und sonst noch was. Heute machen wir das am Computer ganze ohne Chemie und fensterlose Räume.
      Die rauhe Oberfläche der Himbeeren ist so vorhanden, nur sieht man die eher nicht. Sowas kommt dann erst in der Makrofotografie “heraus”, was sie ja auch so faszinierend macht.

  2. Hans Peter von Wyl

    Hallo
    auch wenn ich nichts Neues erfahren habe (ich benutze die Technik auch ab und zu) so finde ich, dass du all jenen, denen das neu ist, auf einfache und sehr verständliche Weise erklärst, wie sie funktioniert. Du machst also deutlich, dass du weisst, was du tust, was man ja nicht unbedingt allen Fotografen nachsagen kann :).
    Gruss hp

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