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Sep 12

Effekt Fotografie / Lightpainting

Lichtkugel in ionischem TempelHeute möchte ich von einem nächtlichen Foto-Ausflug berichten, den ich kürzlich unternahm. Dabei entstanden relativ normale Langzeitbelichtungen von beleuchteten städtischen Objekten. Aber ich wollte auch weiter mit den Lightpainting experimentieren. Dabei nutze ich nicht nur die vorhanden Lichtquellen, wie Mond, Straßenlaternen und Taschenlampen, sondern für den besonderen Effekt: Stahlwolle!

Jetzt fragen sich vielleicht einige: “Häh ? Stahlwolle ? Licht ? Wie geht das zusammen ?” Nun, ist die Stahlwolle fein genug, etwas feiner als ein haushaltsüblicher Topfschwamm aus Stahlwolle, dann brennt sie.

Damit kann man dann solche effektvollen Fotografien erreichen. Wie das geht, erkläre ich nachfolgend genauer.

Man benötigt möglichst dunkle, alte Kleidung. Eine Kopfbedeckung oder eine Jacke mit Kapuze. Ich habe mir eine Ski-Maske übergezogen und noch ein Basecap aufgesetzt. Grund dafür: brennt die Stahlwolle, ist sie im Grunde geschmolzener Stahl, den man nicht in die Haare bekommen möchte, oder auf gute Klamotten.

Ich mag das wohl ein wenig übertrieben haben, aber ich hatte auch einen Feuerlöscher mit, für den Fall, das mal ein glühender Klumpen Stahlwolle irgendetwas unvorhergesehen entzündet. Außerdem kann diese Art der Fotografie etwas mehr Aufmerksamkeit erregen und unter Umständen die Polizei auf den Plan rufen, die mal nachfragt, was man denn da treibt. Es ist mir bisher noch nicht passiert, aber ich denke, wenn man professionell ausgerüstet und vorbereitet da in Erscheinung tritt, gibt es keinen Ärger. Und wenn man mit Feuer spielt, solle man auch einen Feuerlöscher dabei haben, gerade bei uns in Deutschland.

Was braucht man noch ? Stahlwolle natürlich, von der gibt es wohl auch verschiedene Feinheiten. Ich habe, wie abgebildet, die Stärke N0 benutzt, und es funktionierte hervorragend. Die Stahlwolle schneidet man in entsprechend große Stücke, zieht sie noch ein wenig auseinander, damit sie flauschiger und luftiger wird.

Dann steckt man sie in einen Schneebesen. Dieser sollte auch stabil genug sein! Ich meine dabei die Öse am Ende, denn ich habe für dieses Experiment einen bei McGeiz gekauft, da ist die Öse aber aufgegangen. Durch die Öse am Ende fädelt man ein Seil, eine Hundeleine oder wie in meinem Fall einen billigen Spanngurt. Nur sollte es keine Paketschnur sein, sondern schon etwas Eigengewicht mitbringen.

Denn nun kommen wir zum spannenden Teil: wir erzeugen Funkenkreise oder Lichtbälle, wie auf meinen Fotos zu sehen. Man sollte vorher erst einmal Trockenübungen machen, bevor man mit der brennenden Stahlwolle hantiert. Letztlich rotiert man die im Schneebesen glimmende/brennende Stahlwolle am Ende des Seils. Das Seil sollt dabei so lang sein, das der Schneebesen gerade nicht mehr den Boden berührt.

 Nun sind wir vor Ort, die Kamera steht auf einem Stativ. Wir haben eine interessante Kulisse gefunden. Wir belichten manuell, eingestellt ist um Blende 11, das sollte man probieren. Die Stahlwolle brennt ca. 30-45 Sekunden. Entsprechend reicht auch die max. Belichtungsdauer moderner DSLRs von 30 Sekunden aus. Ich habe einen Kabelauslöser benutzt und in “Bulb” Stellung solange belichtet wie ich für die Kreise brauchte.

Entzündet wird die Stahlwolle entweder durch ein Feuerzeug, oder was ich praktischer fand: durch eine 9V Blockbatterie. Die kann man schnell in die Tasche stecken und los gehts. Man bringt das Ganze vor sich in Rotation, durch die Umdrehung bekommt das Feuer in der Stahlwolle mehr Luft und Sauerstoff und brennt heftiger, dabei fliegen Funken, wie beim Flexen oder Schweißen, nach allen Seiten.

Für das linke Foto im Torbogen, habe ich mehrere Belichtungen gemacht und diese dann in Photoshop zusammen gefügt und farblich angepasst. Den Torbogen habe ich noch mit einer LED Taschenlampe beleuchtet.

Eine Licht-oder Funkenkugel erzeugt man, indem man sich um sein Feuerrad dreht. Man fixiert einen Punkt auf dem Boden, über den der funkensprühende Schneebesen hinweg rotiert, und dreht sich um diesen. Um in der Langzeitbelichtung eine Vollkugel auf dem Foto zu erhalten braucht man aber nur einen Halbkreis drehen.

Es ist mal wieder viel Geschreibsel geworden, aber ich hoffe es war wieder mal interessant und vielleicht für einige auch Anregung genug, es einmal selbst auszuprobieren.

 

2 Kommentare

  1. bert

    hey… sieht echt abgefahren aus… den feuerlöscher hätte ich auch dabei. sicher ist sicher :)
    sag mal… wie entzündet man denn stahlwolle mit einer 9V batterie? hab ich mal wieder bei der knoff hoff show nicht aufgepasst? ;)

    1. zeroonevision

      Naja, die 9V Batterie hat beide Pole direkt nebeneinander, und die Stahlwolle, weil Metal, ist leitend. Also gibts überall kleine Kurzschlüsse, die die Stahlwolle entzünden. Und durch darüber reiben kann man die Stahlwolle schnell an vielen Stellen entzünden.

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